Der Fisch liebt, indem er die Grenze zwischen sich und dem anderen auflöst. Wo andere Zeichen sich behaupten, fließt er hinein, nimmt die Stimmung des Gegenübers in sich auf, bis sie sich kaum noch von der eigenen unterscheidet. Als veränderliches Wasserzeichen unter der Herrschaft Neptuns, mit dem alten Schirmherrn Jupiter im Rücken, hält der Fisch keine feste Form: Er passt sich an, schmiegt sich an, sehnt sich nach einer Verbindung, die sich weniger wie zwei Menschen anfühlt als wie ein gemeinsames Element. Seine Wahrnehmung reicht tiefer als bloße Worte; er spürt den Kummer, den ein Partner herunterschluckt, oft bevor dieser ihn selbst benennen kann. Was er in eine Beziehung einbringt, ist eine fast grenzenlose Bereitschaft, mitzufühlen, zu verzeihen und das Beste in einem Menschen zu sehen, manchmal lange bevor dieser es überhaupt verdient hat.
Was der Fisch sucht
Eine Liebe, die ihn aus der Einsamkeit erlöst. Den Fisch zieht ein Mensch an, mit dem er verschmelzen darf, ohne den Verstand als Wächter aufstellen zu müssen; jemand, der seine Träume nicht für weltfremd erklärt, sondern sie ernst nimmt. Weil Neptun ihn regiert, sucht er das Unsichtbare in der Verbindung: das ungesagte Verstehen, die Zärtlichkeit zwischen den Sätzen, das Gefühl, im Innersten erkannt zu werden und nicht nur an der Oberfläche. Er gibt sich rasch und ganz hin, und gerade darum braucht er ein Gegenüber, das diese Hingabe behutsam bewahrt. Wer ihm zeigt, dass er sich öffnen kann, ohne überflutet oder ausgenutzt zu werden, gewinnt einen Partner, dessen Treue mehr aus tiefem Mitgefühl als aus bloßer Pflicht entspringt.
Wo es knirscht
Dieselbe Durchlässigkeit, die den Fisch so mitfühlend macht, lässt ihn die eigenen Konturen verlieren. Er neigt dazu, sich in einem Partner aufzulösen, dessen Wünsche zu seinen eigenen zu machen und darüber zu vergessen, was er selbst will. Dem Konflikt weicht er gern aus, taucht ab in Schweigen, Tagträume oder einen Nebel von Andeutungen, statt klar zu sagen, was ihn verletzt. Und weil Neptun ihn gern beschönigen lässt, idealisiert er einen Menschen mitunter so lange, bis die Enttäuschung unausweichlich wird; er verwechselt das Bild im Kopf mit dem Gegenüber aus Fleisch und Blut. Seine Opferbereitschaft kann ins Märtyrertum kippen, in stilles Leiden, das niemand verlangt hat. Lernt der Fisch, seine Grenzen zu benennen, statt sie still zu verschieben, schwindet ein großer Teil dieses Schmerzes.
Was die Liebe dauerhaft macht
Der Fisch gedeiht an der Seite eines Menschen, der ihm einen Halt gibt, ohne seine Weite zu beschneiden, der für Bodenhaftung sorgt, während er träumt. Seine Liebe wächst, wo seine Empfindsamkeit als Gabe gesehen wird und seine Vorstellungskraft einen Platz im gemeinsamen Leben bekommt, sei es in der Kunst, im Glauben oder einfach in der zärtlichen Art, wie zwei Menschen miteinander reden. Wer ihn sanft daran erinnert, auch sich selbst zu spüren, schenkt ihm das, was er allein schwer findet. Fühlt sich ein Fisch sicher genug, um ganz da zu sein, ohne sich aufzugeben, gibt er eine Hingabe zurück, die selten geworden ist: eine, die ohne aufzurechnen verzeiht und in jedem Sturm an Mitgefühl noch wächst.
